Diagnostik

ADHS-Diagnostik für Erwachsene

Selbsttests und Selbstdiagnosen sind wichtige Tools, um sich selbst zu verstehen, zu heilen und die eigene Lebensqualität zu verbessern. Doch sich selbst einzuschätzen ist logischerweise subjektiv.

Bei der ADHS Diagnostik wird anhand von standardisierten und wissenschaftlichen Verfahren ein/e Patient*in objektiv betrachtet. Denn ja, jeder vergisst mal seinen Haustürschlüssel. Bei der Diagnostik wird geschaut, inwieweit der Patient darunter leidet, welche Hinweise in der Kindheit und in der Familie für eine ADHS vorliegen, welche Komorbiditäten bestehen und welche (ähnlichen) Störungen oder Leiden verifiziert oder falsifiziert werden können.


Wie läuft eine Diagnostik eigentlich ab?

Bei einer medizinisch relevanten Diagnostik gibt es standardisierte Verfahren, die unbedingt eingehalten werden müssen. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich nicht um einen seriösen Anbieter, was mitunter nachhaltige Konsequenzen und Probleme haben kann. Hier erfährst du, woran du eine seriöse Diagnostik erkennen kannst.

Symptome für eine ADHS-Diagnose

Es gibt einige Symptome, die für eine ADHS-Diagnose präsent sein müssen. Diese werden nach dem dem ICD-10 evaluiert. Der ICD-10 ist ein Standardwerk, mit dem Diagnosen klassifiziert und verschlüsselt werden.

Die Symptome bei ADHS werden in sieben Kriterien unterteilt:

  1. Unaufmerksamkeit
  2. Überaktivität
  3. Impulsivität
  4. Alter bei Auftreten der ersten Symptome
  5. Ausprägung der Symptome
  6. Beeinträchtigung
  7. Ausschluss anderer Störungen

Nach den ICD-Kriterien kann nur dann ein Verdacht auf ADHS durch eine Diagnose bestätigt werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind.
Die/Der Patient*in …

  • weist mindestens sechs von neun Anzeichen für Unaufmerksamkeit,
  • mindestens drei von sechs Anzeichen für Hyperaktivität und
  • mindestens eins von drei Anzeichen für Impulsivität auf.
  • Sie/Er hatte diese Anzeichen bereits vor dem siebten Lebensjahr,
  • diese Anzeichen bestehen länger als sechs Monate und
  • sind in mindestens zwei Umgebungen (z. B. Schule und zu Hause) zu beobachten.
  • Sie/Er ist durch das Verhalten merklich beeinträchtigt und
  • andere psychische Erkrankungen wurden ausgeschlossen.

Kurz gesagt: Eine ADHS-Diagnose kann nur dann gestellt werden, wenn die/der Patient*in seit der Kindheit und über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Lebensbereichen unter der Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität leidet und keine andere psychische Erkrankung das Leid erklären kann.

Diagnostik ist Teamarbeit

Eine seriöse Diagnostik braucht Zeit, denn man kann einen Menschen nicht durch ein kurzes Gespräch „durchschauen“.
Daher werden bei einer Diagnostik über mehrere Termine verschiedene Methoden mit mehreren Leuten aus deinem Umkreis durchgeführt.

Für die oben genannten sieben Kriterien gibt es jeweils standardisierte Fragebögen, die von verschiedenen Personen aus dem Leben der/des Patient*in ausgefüllt werden.

Bei einer seriösen Diagnostik werden die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten involviert sowie enge Vertraute wie zum Beispiel der/die Partner*in, Mitbewohner*in, Geschwister oder enge Freund*innen.

Hinweis: Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass auch für diese Personen die Schweigepflicht gilt. Gegenüber deinen Eltern und Mitmenschen hat deine Diagnostikerin keinerlei Auskunftspflicht. Das heißt, egal was bei der Diagnostik oder in deiner Therapie bzw. Beratung besprochen wird, niemand wird davon erfahren.
Zusätzlich dazu gilt aber auch, dass es keine Auskunftspflicht dir gegenüber gibt, was deine Eltern und Mitmenschen bei der Diagnostik gesagt haben. Selbst wenn du unbedingt wissen willst, was deine Eltern über dich gesagt haben, muss dafür erst das schriftliche Einverständnis eingeholt werden.

Solltest du als Erwachsene*r mit anderen Menschen zusammenwohnen oder eine langjährige, innige Beziehung führen, sollten diese Menschen ebenso Fragebögen ausfüllen und Berichte abgeben. Sie geben Aufschluss darüber, wie du von außen wahrgenommen wirst und können nochmal eine ganz andere Perspektive als die Menschen geben, die dich in deiner Kindheit bereits kannten. Natürlich gilt auch für und bei diesen Menschen die vertragliche Schweigepflicht.

Darüber hinaus ist es bei einer ADHS-Diagnostik Standard, die Leistung und das Verhalten in der Schule zu bewerten. Da ich nur Diagnostik für Erwachsene anbiete (bei Diagnostik für Kinder helfe ich aber gerne, geeignete Fachärzt*innen zu finden) dienen hierzu Zeugnisse aus der Schulzeit. Aber auch Fotos, Videos, Arbeitshefte und Berichtshefte von damals können für deine Diagnostik zusätzlich aufschlussreich sein.

Hinweis: Falls du bei deinem Kind eine ADHS vermutest (oder dein Kind bereits diagnostiziert ist), kann das mitunter an den Kräften zehren. Bevor du fragst: Ja, es ist schlimmer als mit anderen Kindern. Aber man kriegt das mit Hilfe hin. Hier setzt meine Elternberatung an. Lass uns drüber reden, wie ich dir helfen kann, euren Alltag zu verbessern.

ADHS ist eine Gesprächsdiagnose

Viele Störungen und Krankheiten kann man zum Beispiel durch bildgebende Verfahren diagnostizieren. Das kennst du vom Röntgen. Andere Krankheiten hingegen können durch Laborverfahren diagnostiziert werden, zum Beispiel indem man Blut abnimmt und analysiert.
ADHS hingegen ist (noch) nicht durch solche Verfahren diagnostizierbar. Es wird also rein anhand von Informationen aus Gesprächen eine Diagnose gestellt.

Das ist entsprechend fehleranfällig, wie du dir sicher schon denken kannst. Während bei einem Röntgenbild man etwas sieht (oder eben nicht), kann man im Gespräch wichtige Information vergessen, auslassen, übertreiben, untertreiben und fabulieren. Bei einer guten Diagnostik wird systematisch und systemisch eine objektive Wahrheit zu Tage gebracht.

Heute können solche Gespräche online geführt werden. Die Technologie macht es möglich. Aber auch hier steht und fällt die Qualität. Eine reine Online-Diagnostik sollte nur dann durchgeführt werden, wenn es in Präsenz wirklich nicht umsetzbar ist. Es gibt heute viele solcher Online-Angebote, aber diese sind häufig Massenabfertigungen und oft werden die Patient*innen nach ihrer Diagnostik einfach allein gelassen.

Eine Diagnostik vor Ort in Präsenz ist prinzipiell die beste Wahl und viele Fachärztinnen, Psychotherapeutinnen und Heilpraktikerinnen für Psychotherapie bieten Online-Diagnostik gar nicht erst an. Ihr Grund dafür ist, dass nur so ein vollständiges Bild der Patientin möglich ist. Sonst sieht man zum Beispiel nicht die Hände, die im Schoß geknetet werden. Die Füße, die nie mehr als drei Sekunden still stehen. Die abgekauten Fingernägel.

Ich biete Diagnostik daher hybrid an. Die Diagnostik findet in meinen Praxisräumen statt. Wenn du es wünschst oder brauchst, können wir Teile der Diagnostik online durchführen. Wir werden gemeinsam im Erstgespräch entscheiden, was für dich und deine Umstände am besten ist, also ganz in Präsenz, hybrid oder vollständig Online.

Woran erkenne ich eine unseriöse Diagnostik oder Beratung?

ADHS, Autismus, Neurodivergenz, Hypersensibilität, Hochbegabung. Diese Themen sind hochaktuell und Social Media hat großen Einfluss darauf. Einige haben einen Markt darin erkannt und bieten daher Online-Diagnostik an. Woran erkennt man aber, wer seriös ist und wer nicht?

Natürlich kann man nicht allgemein sagen, der ist seriös und der nicht. Aber man kann zumindest erkennen, was seriöse und unseriöse Anbieter gemeinsam haben.

In erster Linie dürfen in Deutschland Diagnosen nur von bestimmten Berufsgruppen durchgeführt werden. Das heißt konkret, dass Fachärzt*innen für Psychiatrie und Neurologie, Psychologische Psychotherapeut*innen und Heilpraktiker*innen für Psychotherapie diese Diagnostik anbieten dürfen.
Ein Angebot für eine Diagnostik von z. B. Ergotherapeut*innen, Pädagog*innen oder Sozialarbeiter*innen ist prinzipiell illegal und keine Diagnostik.

Bei dem Beruf teilt sich also schon die Spreu vom Weizen. Der nächste wichtige Punkt ist, wie lange deine Diagnostik dauert. Wenn dir angeboten wird, dass du nach nur einer kurzen Sitzung und einem Fragebogen eine Diagnose bekommst, ist das ein deutliches Warnsignal. Auch das Versprechen, dir eine Diagnose auszustellen ist fragwürdig. Bei einer seriösen Diagnose wird eine ADHS nicht nur verifiziert sondern auch alle anderen Möglichkeiten falsifiziert. Es sollte vor der Diagnostik also kein Versprechen geben, dass du eine ADHS diagnostiziert bekommst.

Nebst der Dauer der Diagnostik ist die Art der Gesprächsführung wichtig. Bei unseriösen Angeboten gibt es häufig erst gar keine Praxisräume, sondern alle Angebote werden online durchgeführt. Das muss nicht prinzipiell schlecht sein, denn Online-Angebote führen auch zu mehr Barrierefreiheit. Aber es sollte individuell geschaut werden, ob die Diagnostik in Präsenz, Online oder hybrid stattfindet. Wenn es sich nach Massenabfertigung anfühlt, sei wachsam.
Häufig haben unseriöse Anbieter auch kein anderes Angebot außer einer ADHS Diagnostik, aber praxiserfahrene und gute Diagnostikanbieter bieten auch meistens psychotherapeutische Maßnahmen und/oder systemische Beratungen und Coachings an.

Das größte Warnsignal ist, wenn bei einer Diagnostik nur deine Erfahrungen und deine Perspektive bewertet werden. Eine Diagnostik muss so objektiv wie möglich sein. Wenn bei einer Diagnostik keine weitere Sicht verlangt wird, weißt du sofort Bescheid, dass dort kein seriöses Verfahren angewendet wird.
Die Sicht der Eltern ist hier prinzipiell Standard und wird immer angefragt. Wenn du aus welchem Grund auch immer keinen Kontakt zu deinen Eltern bzw. deinen Erziehungsberechtigten hast, können andere Menschen in Frage kommen. Großeltern, Pat*innen, Geschwister, sogar die ehemaligen Lehrer*innen oder Kinderärzt*innen. Das wird individuell besprochen. Ein seriöser Anbieter wird das mit dir durchgehen.

Positive Diagnose für ADHS – und jetzt?

Wie oben erwähnt dürfen in Deutschland nur bestimmte Berufsgruppen eine Diagnostik anbieten. Ich möchte hier vorab deutlich machen, dass ich keine psychologische Psychotherapeutin bin und auch keine Fachärztin für Psychiatrie oder Neurologie, sondern psychologische Beraterin.
Die Diagnostik biete ich daher im Rahmen einer Qualifizierung als Heilpraktikerin für Psychotherapie an. Ab der Abschlussprüfung im Oktober 2026 biete ich Termine für die Diagnostik an und kann daher aktuell nur tentative Termine ab November 2026 anbieten.

Sollte sich dein Verdacht auf ADHS bestätigen erhältst du von mir einen etwa zweiseitigen Befund, der alle Maßnahmen der Diagnostik auflistet und erklärt.

Es ist mir besonders wichtig hier zu betonen, dass ich ausschließlich wissenschaftlich und nach medizinischen Standards arbeite. Ein Befund, der von mir ausgestellt wird, wird von Psychiater*innen, Fachärzt*innen und Hausärzt*innen anerkannt, da er mit höchster wissenschaftlicher und ethischer Sorgfalt erstellt wird.

Im Anschluss an die Diagnostik (egal ob positiv oder negativ) empfehle ich prinzipiell, das nicht mit sich alleine auszumachen. Bei einer negativen Diagnose (also eine ADHS wurde ausgeschlossen) geht die Reise nach Antworten weiter und man möchte herausfinden, warum man anders tickt. Bei einer positiven Diagnose steht die Frage nach der Behandlung. Es gibt verschiedene therapeutische Maßnahmen nach der Diagnose. Aber egal für welche man sich entscheidet, es hilft, diese Entscheidungen nicht alleine zu treffen.

Für jede Diagnostik bei mir biete ich Beratungsangebote im Anschluss an oder empfehle Überweisungen an besser geeignete Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel an Psychiater*innen, Mediziner*innen oder auch psychologische Psychotherapeutinnen. Eine Überweisung werden wir individuell klären, damit du die beste Hilfe bekommst, die du brauchst.